- Martina Rieschl
- 30. Juli 2026
Wenn ich Menschen erzähle, dass ich Webdesignerin bin, kommt immer öfters folgende Reaktion: „Aber mit KI kann man sich doch heute eine Website in fünf Minuten selbst bauen. Hast du keine Angst um deinen Job? Was machst du in Zukunft?“
Die ehrliche Antwort:
- Nein, ich habe derzeit keine Angst.
- Ja, mein Aufgabengebiet verändert sich gerade spürbar und in einigen Bereichen ist noch ungewiss, wohin die Reise gehen wird.
(Wie ich KI konkret in meinem Arbeitsalltag einsetze – und wo sie mich eher bremst als unterstützt – habe ich bereits im Artikel „KI im Webdesign“ beschrieben. Hier geht es um die größere Frage dahinter.)
Der Steuerberater-Vergleich
Stell dir vor, jemand sagt dir: „Steuerberater braucht bald keiner mehr, es gibt doch Buchhaltungs-Software, mit der man seine Steuererklärung selbst erledigen kann.
Diese Software gibt es tatsächlich seit vielen Jahren. Trotzdem gibt es heute nicht weniger Steuerberater*innen als früher. Warum? Weil die Software das Ausfüllen übernimmt, aber nicht das Verstehen.
- Was ist für die konkrete Situation überhaupt sinnvoll?
- Wie können die Abgaben an die aktuelle Unternehmens-Situation angepasst werden?
- Welche speziellen Fördermöglichkeiten gibt es?
- usw.
Solche Dinge erkennt ein Tool nicht. Die Buchhaltungs-Software ist ein tolles Werkzeug, um effizient zu arbeiten.
Bei Websites ist es ganz ähnlich. Eine KI kann in kurzer Zeit eine hübsche Seite erstellen. Ob diese Seite aber tatsächlich neue Kundschaft bringt, rechtlich sauber ist und von allem die richtigen Menschen erreicht, ist eine andere Frage. Dafür braucht es jemanden, der versteht, was das Unternehmen wirklich braucht – und daraus konkrete Maßnahmen und Ziele ableiten kann.
Das hatten wir doch schon mal
Vor rund zehn Jahren, als die ersten guten Baukastensysteme (zB WIX) aufkamen, gab es bereits einen ganz ähnlichen Moment für Webdesigner*innen. Auch damals hieß es, dass jede*r seine Website zukünftig selbst erstellen kann, ganz ohne Agentur.
Das Ergebnis zehn Jahre später: Es gibt heute mehr Webdesignerinnen und Webdesigner als damals, nicht weniger. Diese einfachen Tools haben bewirkt, dass mehr Menschen bewusst wurde, dass sie überhaupt eine Website brauchen könnten. Viele haben dann begonnen ihre erste Website selbst zu bauen. Schnell haben sie jedoch gemerkt, dass ihr DIY-Versuch nicht ganz so erfolgreich war, wie gewünscht. KI-Systeme sind natürlich nicht mit Website-Baukästen vergleichbar. Aber sie ersetzen keine echte Expertise. Sie sind nützliche Werkzeuge, die uns helfen effizienter und vor allem schneller zur werden.
Was sich für mich durch KI wirklich ändert
Ich sage nicht, dass sich nichts tut. Im Gegenteil. Meine Arbeit verschiebt sich gerade spürbar weg von der reinen Umsetzung hin zu drei Dingen, die eine KI nicht einfach mitliefert:
Barrierefreiheit und Datenschutz.
Eine automatisch generierte Seite sieht mittlerweile sehr schön aus. Ob sie allerdings für alle Menschen nutzbar ist und rechtlich sauber läuft, ist eine andere Frage. Genau daran scheitern KI-Tools in meiner täglichen Arbeit immer wieder. Ein paar dieser Stolpersteine habe ich in meinem letzten Blogartikel zum Thema KI gesammelt.
Technisch saubere Umsetzung.
Ich arbeite bei jedem Projekt mit einem individuell abgestimmten Setup, zugeschnitten auf die konkreten Bedürfnisse und Ziele meine*r Kund*in. Bevor ich eine neue Lösung einbaue, prüfe ich, ob das nicht schon mit den vorhandenen Mitteln geht. Bei KI-Tools ist mir aufgefallen: Sie greifen gerne vorschnell zu einem zusätzlichen Plugin oder bauen extra Code ein. Oft ist das gar nicht nötig. Das macht eine Seite unnötig kompliziert und auf Dauer schwerer wartbar.
Mehr Beratung bei bestehenden und neuen Abläufen.
Generell merke ich, dass der Beratungsanteil in meiner Arbeit wächst. Kund*innen fragen mich zunehmend, wie sie bestehende Prozesse optimieren oder neue sinnvoll einführen können – auch über die Website hinaus, etwa im IT-Support. Ein Beispiel dafür: die Frage, wie KI-Tools im Team überhaupt genutzt werden sollen. Ich bin dabei keine Juristin und biete keine Rechtsberatung an, aber ich recherchiere die Rahmenbedingungen, bringe meine praktische Erfahrung ein und schaffe Klarheit, wo bisher oft einfach drauflosgemacht wird.
Was das für dich bedeutet, wenn du KI für deine Website nutzen möchtest
Wenn du ein kleines Budget hast und nur eine einfache Online-Visitenkarte brauchst: Ein KI-Tool kann dafür ganz ehrlich völlig ausreichen.
Sobald aber Kund*innen über die Seite gewonnen werden soll, ein Online-Shop dranhängt oder du dich fragst, ob alles rechtlich und technisch passt, dann lohnt sich ein Gespräch mit jemandem, der genau das jeden Tag macht. Nicht weil KI schlecht wäre. Sondern weil die Fragen, die wirklich zählen, andere sind als „wie sieht die Seite aus“.
Kurz gesagt: KI ersetzt Webdesigner*innen noch nicht
KI macht mir die Arbeit leichter. Ich nutze KI als Werkzeug regelmäßig gerne und viel. Aber sie übernimmt nicht das, wofür meine Kund*innen mich eigentlich beauftragt: mitzudenken, abzuwägen und dafür geradezustehen, dass am Ende alles passt.
Und deshalb habe ich um meine Arbeit keine Angst. Nur ein offenes Auge dafür, wohin er sich gerade entwickelt.
Du fragst dich, wo deine Website gerade steht?
Ob KI-generiert, selbst gebaut oder schon ein paar Jahre alt – ein zweiter, geübter Blick zeigt, wo es bei Barrierefreiheit, Datenschutz oder technischer Sauberkeit noch hakt. Mit meinem Website-Check bekommst du eine ehrliche Einschätzung und konkrete nächste Schritte, um deine Website zu verbessern.


